KUNSTZENTRUMCOLDAM

Zentrum für Kunst, Kultur und Historie

Textfeld: Das Kunstzentrum in Coldam.
-Streifzug durch die Geschichte-

Im Bereich des heutigen Jütting-Bauernhofes und des heutigen Kunstzentrums in Coldam besaß im Jahre 1719 der Erbgesessene Johann Jacobs einen Bauernhof (Heerd) mit 44,5 Grasen Land. 
Gras ist ein altes Flächenmaß, das der Weide einer Kuh entspricht (je nach Region ca. 0,43 Hektar).
Der Sohn von Johann Jacobs, der Schüttemeister in Bingum und Deichrichter des Oberrheiderlandes Toncke Janssen, hat dann diesen Bauernhof zum Teil von seinen Eltern geerbt und zum Teil von seinen Miterben gekauft. I
m Jahre 1752 bestand der Hof aus einem Haus mit einer Küche und einer Kammer sowie einem kleinen Kohlgarten und 44,5 Grasen Land. 
Da der Hof „ins Osten an dem Emsstrom“ und „ins Westen am Wege“ grenzte, hat der Hof wohl ursprünglich zwischen Deich und Coldamer Straße gestanden.
Die Coldamer Straße hatte früher als „Heerweg“, als wichtige Verbindung von Leer nach Weener und zum südlichen Rheiderland überregionale Bedeutung. 
Am Deichfuß leicht erhöht gelegen war der Weg auch im Frühjahr und Herbst passierbar, wenn nach Schneeschmelze und ergiebigen Niederschlägen alle anderen Wege im Morast versanken. Denn die Wege waren damals üblicherweise nicht befestigt und bestanden nur aus Klei. 
Erst 1854 mit dem Bau der Leerorther-Weener Chaussee, später Bundesstraße 75, heute Bundesstraße 436 bzw. Europastraße 22 (Emsstraße) genannt, verlor die Coldamer Straße ihre überregionale Bedeutung und wurde zur Anliegerstraße. 1891 wurde die Wegstrecke von der Leerorther-Weener Chaussee bis zum Coldamer Sieltief erstmals mit Klinkern gepflastert. 1961 folgte das zweite Teilstück bis Brathörn, zur Hälfte aus Verbundsteinpflaster und zur Hälfte aus einer Teereinstreudecke mit Asphaltfeinbeton.
Toncke Janssen war ledig („lebend in cölibata“) und vererbte den Bauernhof daher an die Kinder seiner Geschwister, seines Bruders Aylke Janssen und seiner Schwester Mayke Janssen, die mit Johann Everts aus Holtgaste verheiratet war.
Am 11.05.1763 starb Toncke Janssen in Bingum. Nachdem kurze Zeit später auch „der alte Junggesell“ Hemmo Janssen, der wohl als Bruder von Toncke Janssen betrachtet werden kann, am 06.04.1764 in Coldam gestorben war, verkauften laut Kaufvertrag in Bingum von 1764 (ohne näheres Datum) die Toncke und Hemmo Janssen Erben, und zwar Johann Everts (für sich und seine Miterben) und Jan Dirks (für sich und seine Miterben) den Bauernhof (Heerd) in Coldam an Harm Hesse aus Weener.
Harm Hesse, geboren am 10.01.1731 in Weener, erbaute 1803 einen neuen Bauernhof an der Stelle des heutigen Hofes, zusammen mit einer Ziegelei an der Stelle des heutigen Kunstzentrums, bestehend aus Pfannen- und Steinbude, Brandhaus und Trockenbude.
Am 23.07.1811 ging das Brandhaus der Ziegelei in Flammen auf, wurde aber wieder aufgebaut.
Im Jahre 1813 wurden rund 49.000 Steine und 96.000 Dachziegel in der Ziegelei hergestellt.
Der Steinofen konnte 7.000 Steine aufnehmen und wurde sieben Mal jährlich angezündet. 
Der Pfannenofen auf der Coldamer Ziegelei war im Gegensatz zu anderen Ziegeleien des Rheiderlandes größer als der Steinofen. 
Er fasste ca. 16.000 Pfannen und wurde sechs Mal jährlich abgebrannt. 
Als Brennmaterial diente Torf aus Papenburg, das per Schiff über die Ems und die Coldamer Muhle angeliefert wurde. 
Das Coldamer Sieltief mündete durch ein Sieltor im Deich und durch die Coldamer Muhde in die Ems, die damals noch unmittelbar hinter dem Deich vorbeiströmte. 
Erst mit der Emsbegradigung im Jahre 1927/1928 wurde das Emsbett mehrere hundert Meter nach Osten verlegt. 
Die Anlegestelle der Schiffe war allerdings wahrscheinlich außendeichs, der Torf wurde dann per Karren durch den zur Ziegelei gehörenden Deichdurchlass (Diekgatt) gebracht. 
Die gebrannten Steine und Pfannen wurden ebenfalls über diesen Weg abtransportiert.
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